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I can`t believe it - Druckversion

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I can`t believe it - Saphira James - 07.09.2022

Saphira streifte durch die Straßen von Rom. Alles wirkte heute verhältnismäßig friedlich und sie konnte nicht verhindern, dass ihre Gedanken unwillkürlich zu der Zeit zurückwanderten, in der sie hier angekommen war. Eigentlich hatte sie nur einen harmlosen Schüleraustausch mitmachen wollen und sie erinnerte sich noch, als wäre es gestern gewesen, wie sie dem allem entgegengefiebert hatte. Endlich nach Europa zu kommen, ohne Eltern, total selbstständig. Das hatte sich wie ein großes Abenteuer angefühlt und sie war so unglaublich nervös gewesen, als sie aus dem Flieger gestiegen war. Wie hätte sie damals auch ahnen können, dass sie die Ewige Stadt danach nie wieder verlassen würde und dass dieser ganz gewöhnliche Schüleraustausch ihr vielleicht sogar das Leben gerettet hatte. Sie wollte gar nicht an die armen Italiener denken, die ihrerseits ausgerechnet zu dieser Zeit in die Vereinigten Staaten geflogen waren. Der Gedanke betrübte sie ein wenig. All diese Leben… auch die Leben ihrer Familie. Ja, sie hatte Glück gehabt und hatte überlebt, auch wenn sie inzwischen eben ein Werwolf war. Es gab deutlich schlimmeres als das. Ihre Familie hatte sehr viel weniger Glück gehabt, jedenfalls ging Saphira nach allem, was sie in den Medien so mitbekommen hatte, davon aus. Sie waren einfach nur gewöhnliche Mundies, wie hätten sie das alles überleben sollen? Bis zu diesem Moment hatte doch noch nicht einmal einer von ihnen ahnen können, dass es so etwas wie Werwölfe, Vampire und Nephilim wirklich gab und dass diese nicht nur der Fantasie einer ganzen Horde von Autoren entsprungen waren. Die Blondine fragte sich ja, wie viele von ihnen vielleicht sogar wirklich gewusst hatten, was Sache war und wie viele ihrer Geschichten auf Fakten beruhten, auch wenn alle sie für pure Fiktion gehalten hatten. Heute war niemand mehr so naiv. Es war aber auch unmöglich. Wie sollte man vor all dem, was passiert war und immer noch passierte, die Augen verschließen?

Die junge Werwölfin bog in eine Seitengasse ein, die auf einen kleinen Marktplatz führte. In Rom gab es Dutzende davon, früher alle von Touristen überfüllt und mit viel zu überteuerten Waren, einfach, weil man eben in Rom war und alle Händler wussten, dass sie sich das erlauben konnten. Heute sah es anders aus. Vielleicht kam es Saphira auch nur so vor. Durch den Krieg hatte sich die Stimmung verändert. Die Leute waren weniger sorglos und ausgelassen. Oder bildete sie sich das ein, weil es eben ihr so ging? Eigentlich war es auch egal. Daran ändern konnte sie sowieso nichts. Als sie nun über den Platz schlenderte, blieb ihr Blick an einer Blondine hängen, die ihr seltsam vertraut vorkam. In diesem Moment brauchte sie allerdings einen Augenblick, ehe sie in der Lage war, zu realisieren, um wen es sich handelte. Ophelia. „Das ist doch nicht möglich“, kam es leise über ihre Lippen. Diese Frau musste ihrer Schwester einfach nur verdammt ähnlich sehen. Auf die Distanz würde das ausreichen, damit sie sich täuschen konnte. Wie von einem unsichtbaren Magneten angezogen, näherte sich Saphira der jungen Frau weiter. Je näher sie ihr kam, desto weniger konnte sie glauben, dass sie sich irrte. Das war doch unmöglich! „Ophelia?“ Saphira war nun nur noch wenige Schritte von der anderen Blondine entfernt und schaffte es auch nicht, noch näher heranzugehen. Ihre Beine versagten schlichtweg den Dienst. „Bist du das wirklich?“ Ihr Herz schlug schnell gegen ihre Brust. Es war einfach unmöglich. Das hier konnte nicht ihre Schwester sein. Sie durfte sich dieser Hoffnung nicht hingeben, denn am Ende würde sie doch nur enttäuscht werden und es würde mehr wehtun, als jemals zuvor, die bittere Wahrheit zu akzeptieren.


RE: I can`t believe it - Ophelia Silverstorm - 05.10.2022

Say you'll remember me
Standing in a nice dress
Staring at the sunset, babe
Red lips and rosy cheeks
Say you'll see me again

(Wildest Dreams - Taylor Swift)


Die junge Frau mit den rosa Haaren hatte sich auf den Weg gemacht, um Emma aufzusuchen im Institut. Sie war so sauer auf das, was Faye getan hat und die Abdrücke waren auch noch deutlich zu sehen. Erst hatte sie überlegt eine Iratze aufzutragen, bis ihr bewusst wurde, dass niemand ihr dann glauben würde. Verzwickte Angelegenheit, wenn man überlegte, wie viel Macht Faye über andere Leute hatte. Man war sich nicht sicher, ob sie Faye alle wirklich mögen oder ob man vor Respekt einfach nicht den Mund aufmachte. Im Moment hatte sie das Gefühl, mit ihrer Abneigung alleine dazustehen und nur mit Beweisen wirklich voran zukommen. Nathaniel würde ihr nie glauben und auch Liam hatte immer viel auf die Meinung von Faye wert gelegt. Daher war sie sehr froh, die letzten Jahre ohne die Himmelskrieger gewesen zu sein und auch wenn das Herz schmerzte vor Sehnsucht nach Liam. Aber diesen Herzschmerz hatte sie überwunden, hatte sich voll und ganz in die Ausbildung gestützt, um am Ende als Schattenkrieger dazustehen. Damals wollte sie das Kämpfen erlernen, um Liam näher zu sein und um eventuell ihre Familie wieder zubinden. Aber sie hatte es aufgegeben. Saphira war damals noch viel zu jung als das alles losging und konnte es unmöglich überlebt haben. Zusammen mit ihren Eltern würde diese sicher auf Ophelia herunterschauen und über sie wachen. Bei dem Gedanken blickte sie kurz hinauf zum Himmel und lächelte schwach.

Es lenkte die Schattenjägerin kurzzeitig von ihrer Wut gegen Faye ab und ließ sie gleich wieder ruhiger werden. Erinnerte sie sich auch daran, wie sie ihrer kleinen Schwester oft vorgelesen hat und ihr die Haare gemacht hat. Sie fehlte ihr so sehr. Auf dem Platz, kurz bevor es zum Institut ging, blieb sie einfach einen Moment stehen, um den Moment auszukosten, in Erinnerungen zu schwelgen. Man hatte so wenig Zeit für solche Momente, weil man so vieles verlor und auch keine Zeit hatte um zu trauern. Tief holte sie Luft, als sie plötzlich ihren Namen vernahm und auch hörte sie Schritte. Jemand kam auf sie zu und noch eh sie sich umdrehte, kamen weitere Worte. Eine Frage, ob sie es wirklich war. Ihre Brauen zogen sich leicht fragend zusammen, eh sie sich langsam umdrehte. Ophelia hatte die Stimme zuvor nicht erkannt, weil sie zu leise war. Überrascht, wer plötzlich vor ihr stand, stockte ihr der Atem und sie konnte keinen klaren Gedanken fassen. Wie konnte das sein? Wie hatte sie überlebt? Oder spielten ihre Gedanken ihr ein Spiel? Ein Dämon könnte das sicher auch machen, um sie zu schwächen und zu töten. Obwohl, es am Tage war und normalerweise griffen die Biester weiterhin nur in der Dunkelheit an. „Saphira!“, stellte sie fest, als sie ihre Sprache wieder gefunden hat. Sie war so groß geworden und erwachsen. Lia hatte das Gefühl, die Zeit holte sie ein und rannte an ihr vorbei.

Schwer schluckte die junge Schattenjägerin, eh sie sich auf ihre Schwester zu bewegte. Langsam kamen auch ihre Tränen, welche sie nicht mehr aufhalten konnte. „Wie konntest du …?“, unfähig die Frage zustellen, nahm sie ihre kleine Schwester, welche sie so viele Jahre vermisst hatte in den Arm. Diese Wärme, der bekannte Geruch und dieses Gefühl von Heimat, war wieder so präsent. Ophelia fühlte sich in der Zeit vor den Krieg versetzt und innerlich hoffte sie, dass der gesamte Krieg nur ein Albtraum war, aus dem sie aufgewacht war. „Ich hab dich so vermisst“, säuselte die geborene James und löste sich langsam, wenn auch ungewollt von ihrer kleinen Schwester, welche gar nicht mehr so klein war. „Wie groß du bist und wie hübsch.“ Lia lächele ihre Schwester an und strich ihr eine Strähne aus dem Gesicht. Es war zu schön, um war zu sein und Lia wusste nicht so recht, ob sie das hier alles glauben konnte. Natürlich wünschte sie sich, dass dies kein Traum oder eine Manipulation eines Dämons war. Hoffnung starb zum Schluss und daher musste dies hier die Wahrheit sein.


RE: I can`t believe it - Saphira James - 25.10.2022

Saphira war nicht ganz sicher, ob sie sich gerade total lächerlich und zum Affen machte. Diese Frau da sah aus wie ihre Schwester, aber es wäre schon ein verdammt großer Zufall, wenn diese ausgerechnet hier vor ihr stehen würde. Sie waren nicht mehr zuhause, sie waren quasi am anderen Ende der Welt. Die Chancen, dass Ophelia alles, was passiert war, unbeschadet überlebt hatte, waren gleich null. Und trotzdem… sie würde doch wohl ihre eigene Schwester erkennen! Es war lange her, dass sie einander zuletzt gesehen hatten, es fühlte sich fast wie ein Leben an, aber da war einfach diese Vertrautheit, die diese Frau mit den rosafarbenen Haaren ausstrahlte. Und kaum hatte sie ihren Namen ausgesprochen, reagierte diese. Das konnte kein Zufall sein! Nein. Das hier war sie. Das war ihre Schwester. Ophelia lebte. Und sie war hier in Rom. Nachdem ein ‚Bist du es wirklich?‘ über Saphiras Lippen geschlüpft war, starrte diese einfach mit großen Augen auf ihre Schwester, nicht fähig, auch nur irgendein weiteres Wort von sich zu geben, geschweige denn, sich weiter zu bewegen. Ophelia lebte. Sie war hier. Endlich war sie nicht mehr alleine. Dieser Gedanke war zugegebenermaßen ein wenig unfair. Ja, sie hatte ihre Familie für tot gehalten. Aber sie war nicht alleine. Sie hatte ihr Rudel und die hatten sich immer alle Mühe gegeben, eine neue Familie zu sein. Sie waren für sie da gewesen, genau, wie Saphira nun für sie da war. Und trotzdem – es war nochmal etwas ganz anderes, ihre Schwester vor sich zu sehen. Unwillkürlich fragte sich die gebürtige Amerikanerin, ob ihre Eltern den Dämonenangriff vielleicht ebenfalls überlebt hatten. Waren sie auch hier in Rom?

Schließlich war es Ophelia, die auf sie zukam. Tränen rannen über ihr Gesicht und lösten etwas in Saphira, die den Kloß im Hals nun auch mehr als deutlich spürte. Ihre Schwester lebte. Immer wieder schoss dieser Gedanke durch ihren Kopf. Als Ophelias Arme sich um ihren Körper schlossen, war es, als würde sich eine Blockade lösen und nun liefen auch aus Saphiras Augen die Tränen in Strömen. „Ophelia“, schluchzte sie und einen Moment lang presste sie sich ganz eng an ihre Schwester. „Wie… wie kann das sein?!“ Nachdem die Ältere die Umarmung gelöst hatte, wischte Saphira mit dem Handrücken über ihre Wangen. Es war so erbärmlich. Sie kämpfte mit ihrem Rudel gegen Dämonen und nun stand sie hier und weinte wie ein kleines Mädchen. „Was tust du hier?“ Saphira hatte so viele Fragen, genau wie offenbar Ophelia. „Das ist eine lange Geschichte. Ich hatte Glück. Und Hilfe.“ Ohne ihr Rudel hätte Saphira niemals überlebt, das stand für sie fest. Dafür war sie den Werwölfen unheimlich dankbar. „Ich kann einfach nicht glauben, dass du hier bist“, hauchte sie erneut. „Wie ist das möglich?!“